Was in einigen Kulturen zur Tradition gehört, ist in unseren Breiten zu einer spannenden Bereicherung der Partnersuche geworden.
Allerdings unterscheidet sich ein Blinddate unserer Zeit und Kultur ganz entscheidend in zwei Dingen.
Ein Blinddate geschieht freiwillig und muss nicht zwangsläufig zur Ehe führen.
Der Partner, mit dem man sich trifft, ohne ihn vorher gesehen zu haben, wurde entweder selbst ausgesucht oder von einer Agentur vermittelt.
Dabei wurden die zwei Singles nach bestimmten Kriterien beurteilt und vorgeschlagen, die jeweils vom anderen vorgegeben wurden. Auf diese Weise treffen sich zwei Menschen das erste Mal, die rein theoretisch gut zusammenpassen müssten.
Ob das auch in der Praxis zutrifft, entscheidet die Chemie.
Wer sich seinen Blinddate Partner selbst auserwählt hat, war vorher vermutlich in einer Singlebörse im Internet unterwegs und hat mit dem Andern bestimmt schon ein paar Mal gechattet.
Es gibt spezielle Flirtforen und Singleplattformen, die beim Anlegen des Profils ganz gezielt nach bestimmten Eigenschaften fragen, die möglichst viel über den Profilinhaber aussagen sollen. Zum Beispiel wird abgefragt, wie denn der Partner sein soll, den man sich wünscht.
Wer bei der anschließenden Suche bestimmte Kriterien eingibt, wird bei der Anzeige der Profile, die in Frage kommen, eine hohe Trefferquote erzielen können.
Einige Chatforen analysieren im Hintergrund die persönlichen Angaben der Mitglieder und unterbreiten diesen, regelmäßig Vorschläge von anderen Teilnehmern mit einer hohen Prognose an möglichen Übereinstimmungen. Wenn sich zwei Singles zu einem Blinddate entschlossen haben, wird es aufregend. Herzklopfen und erwartungsvolle Hoffnungen vermischen sich zu einem spannenden Gefühl der Vorfreude. Wie wird er oder sie wohl sein, wird die Chemie stimmen und werden die Funken nur so sprühen? Beiden ist theoretisch klar, dass dieses erste Treffen noch gar nichts zu sagen hat und dass es auch nur ein netter Abend werden kann.
Trotzdem überwiegen die Hoffnungen auf einen Flirt oder sogar auf eine neue Liebe und die Schmetterlinge im Bauch machen sich ungefragt schon mal startklar. Das ist auch gut so, denn dieser Zustand, der schon fast als emotionaler Ausnahmezustand bezeichnet werden kann, ist die beste Voraussetzung dafür, seinem Gegenüber offen gegenüberzutreten. Ob die Funken ein Feuer entfachen oder ob die Schmetterlinge alle Startvorbereitungen canceln, liegt nun ganz allein daran, ob die Beiden real auch so gut aufeinander wirken, wie das die Agentur vermutet hat, oder wie es vorher virtuell der Fall war. Wenn nicht, wurde das Leben durch eine neue nette Bekanntschaft bereichert. Falls aber doch, ist das Blinddate der Beginn einer Beziehung mit allen Entwicklungsmöglichkeiten.
Natürlich kann die Entwicklung auch genauso in die andere Richtung gehen. So besteht durchaus die Gefahr, sich über einen längeren Zeitraum auseinander zu leben. Allein die Tatsache, dass der zurückgebliebene Partner zu Hause auch allein alles im Griff hat, kann dem pendelnden Beziehungsteil ein Dorn im Auge sein. Er kommt sich nur allzu schnell überflüssig vor, da er in Alltagsentscheidungen nicht mehr einbezogen wird.
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