„Hilfen im Netz“: Neue Kampagne für Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien
Kathrin Knittel 3 Min. Lesezeit
Rund 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben mindestens ein Elternteil mit einer psychischen oder Suchterkrankung. Bundesfamilienministerin Karin Prien hat am 10. Juli 2026 auf dem Potsdamer Platz in Berlin eine bundesweite Plakatkampagne für das Beratungsangebot „Hilfen im Netz“ gestartet.
Acht Wochen lang sind auf 5.000 City-Light-Flächen im ganzen Land Plakate zu sehen, die auf das Angebot aufmerksam machen. Möglich macht das der Außenwerber Wall, der die Flächen zum zweiten Mal kostenlos zur Verfügung stellt. Bereits im Vorjahr hatte die Zusammenarbeit nach Angaben des Unternehmens zu einer deutlich höheren Nachfrage bei der Online-Beratung geführt.
Unterstützt wird die Aktion vom Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Prof. Dr. Hendrik Streeck, und von Schauspielerin und Sängerin Lina Larissa Strahl. Streeck wies darauf hin, dass betroffene Kinder häufig in einem Alltag voller Unberechenbarkeit aufwachsen und früh Verantwortung übernehmen müssen. Ein Anruf oder Chat könne für sie der erste Schritt aus der Überforderung sein. Strahl betonte, dass gerade Jugendliche aus solchen Familien oft Schwierigkeiten haben, Hilfe zu finden - genau dafür sei ein anonymes und leicht zugängliches Angebot so wichtig.
Was „Hilfen im Netz“ bietet
Kinder, Jugendliche und auch Fachkräfte können sich anonym und kostenlos an das Beratungsangebot wenden - per Telefon oder schriftlich. Eine digitale Landkarte zeigt Beratungsstellen in der Nähe. „Schreiben statt Schweigen“ lautet der Slogan der Kampagne. Denn in vielen betroffenen Familien gilt eine unausgesprochene Regel: Darüber redet man nicht. Der anonyme schriftliche Kontakt soll genau diese Hürde senken.
Das Familienministerium hat die Förderung für das Projekt um weitere drei Jahre bis Sommer 2029 verlängert. Getragen wird „Hilfen im Netz“ von NACOA Deutschland e.V. und KidKit (Drogenhilfe Köln).
Warum das Thema Familien betrifft
Die Folgen einer elterlichen Erkrankung reichen weit: Betroffene Kinder haben ein deutlich höheres Risiko, später selbst psychisch zu erkranken. Auch ihr Bildungserfolg leidet häufig. Frühe und niedrigschwellige Hilfe kann diesen Kreislauf durchbrechen. Streeck sieht darin auch eine wirksame Form der Suchtprävention - denn wer früh Unterstützung erhält, trägt die Belastung seltener ins Erwachsenenalter.
Wer in der eigenen Beziehung mit psychischen Belastungen zu kämpfen hat, findet bei uns Artikel, die weiterhelfen können - ob es um den Umgang mit schwierigen Phasen geht oder um die Frage, wann professionelle Hilfe sinnvoll ist. Weitere Tipps findet ihr in unsere Kategorie Beziehungskrisen.
KidKit und NACOA - die Organisationen dahinter
KidKit existiert seit 2003 als digitales Beratungsangebot der Drogenhilfe Köln. Es richtet sich an Zehn- bis 27-Jährige, die in Familien mit Suchterkrankungen, psychischen Erkrankungen oder Gewalt aufwachsen. NACOA Deutschland e.V. wurde 2004 gegründet und vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die durch Alkohol-, Drogen- oder Verhaltenssüchte ihrer Eltern belastet sind.
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), Pressemitteilung vom 10. Juli 2026.
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Kathrin Knittel
Kathrin schreibt über Partnerschaft, Familie und die Zahlen dahinter. Bei Beziehungskram.de ordnet sie Studien und Statistiken ein - alltagsnah und ohne Fachchinesisch.