Wie Liebesfilme das Liebesleben beeinflussen

Romantische Begegnungen zweier Menschen, Prickeln, Enttäuschung und Versöhnung, Herzschmerz — das ist der Stoff, aus dem die Liebeskomödien gemacht sind. Stoff, der manche verträumte Menschen an Begebenheiten glauben lässt, die sich in Wahrheit selten erfüllen. Diese unrealistischen Umstände und der enttäuschende Vergleich mit dem eigenen Leben machen viele Menschen unglücklich mit ihrer Beziehung. Das haben nun auch Forscher der Heriot-Watt University in Edinburgh bestätigt.

Paar schaut einen Liebesfilm
Romantische Filme wecken Erwartungen, die die Realität selten erfüllt - Symbolbild: © ty - stock.adobe.com

Studie: Liebesfilme vermitteln ein falsches Bild

Die Forscher um Dr. Bjarne Holmes an der Heriot-Watt University suchten für ihre Studie 40 Kassenschlager von 1995 bis 2005 heraus, um sie auf ihren Realitätsbezug zu analysieren. Ergebnis: Die Inhalte wurden als sehr unrealistisch bewertet. Danach ließen sie etwa 200 Personen Fragebögen zu ihren Erwartungen an Beziehungen ausfüllen — und teilten sie in zwei Gruppen, die je zwei verschiedene Arten von Filmen ansahen. Die Studie ergab, dass Personen, die gern Liebesfilme wie „E-Mail für Dich“ oder „Während du schliefst“ ansahen, im realen Leben weniger mit ihren Partnern kommunizierten. Sie nahmen einfach an, dass der andere — sofern er der Richtige ist — ohnehin weiß, was man will, ganz ohne Worte.

Liebesfilme gaukeln vor, dass jeder „Topf“ seinen perfekten „Deckel“ findet und dass es die große Liebe für jeden geben muss. Sie schüren die Sehnsucht nach dem wirklich passenden Partner und schrauben die Erwartungshaltung hoch. Romantische Filme können daher gut laufende — oder ohnehin schlecht gehende — Beziehungen ins Schwanken bringen. Die perfekte Beziehung, der perfekte Lebenspartner, die perfekten Umstände: All das ist im Leben schwer zu erlangen. Im Film geht das ganz einfach. Eheberater treffen häufig auf Paare, die glauben, der Sex müsse immer perfekt sein und der Richtige lese einem alles von den Augen ab — Kommunikation sei unnötig. Dass das nur schiefgehen kann, ist klar.

Warum es nicht so sein muss

Ein gesunder Blick auf die Realität sollte bei all der schönen Scheinwelt erhalten bleiben, meinen die nüchternen Forscher. Dennoch: Die Sehnsucht nach einer perfekten Beziehung ist durchaus legitim. Und manchmal bringen derlei Schmachtfetzen völlig unglückliche Paare vielleicht endlich dazu, sich loszulassen und das Glück woanders zu suchen — das ist besser, als bis zum Lebensende mit einem unpassenden Menschen unglücklich zu bleiben.

Tipp

Träumen ist erlaubt, und die Flucht in eine heile Welt tut in harten Zeiten gut. Wichtig ist nur, dabei nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Statt den Partner an der Realität von Hollywood zu messen, hilft echtes Reden — das schafft kein Film.

Quelle: Johnson, K. R., & Holmes, B. M.: „Contradictory messages: A content analysis of Hollywood-produced romantic comedy feature films“, Communication Quarterly.

M. R.

M. R. ist freie Autorin und schreibt über alles, was zu einer Partnerschaft gehört.

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