Die Mehrheit der Frauen steht heutzutage in der Berufswelt ihren Mann, leitet Sitzungen, stellt neue Mitarbeiter ein und hat den Terminkalender voller wichtiger Meetings. Zuständig für den Großteil der Arbeit im gemeinsamen Haushalt sind sie aber trotzdem immer noch. Doch warum ist das so und wie wirkt sich dieses Ungleichgewicht auf die Liebe in der Beziehung aus? Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe und zeigt praktische Lösungswege auf.
Hausarbeit ist Frauensache – ein hartnäckiges Muster
Umfangreichen Befragungen zufolge erledigt den Haushalt zum größten Teil immer noch der weibliche Part einer Beziehung. Die Zahlen sind eindeutig: Frauen verbringen durchschnittlich doppelt so viel Zeit mit unbezahlter Hausarbeit wie ihre Partner – und das selbst dann, wenn beide Vollzeit arbeiten.
Trotz 8 oder mehr Stunden im Job wartet zuhause noch das Abendessen, das gekocht werden muss, die Küche, die aufgeräumt werden will, die Wäsche, die in die Waschmaschine gehört, gewaschene Wäsche, die gebügelt und in die Schränke geräumt werden muss, sowie Staubsaugen und Bodenwischen. Das Erstaunliche daran ist, dass viele Frauen diese Aufteilung gar nicht mal als ungerecht empfinden.
Warum akzeptieren Frauen diese Mehrbelastung?
Sozialpsychologen nennen mehrere Gründe für dieses Phänomen:
Gesellschaftliche Prägung: Von Kindesbeinen an lernen Frauen durch Rollenbilder in Familie, Medien und Gesellschaft, dass Hausarbeit „Frauensache“ ist. Diese tief verankerten Erwartungen führen dazu, dass viele Frauen den größeren Anteil an Hausarbeit als normal ansehen – ob sie es nun mögen oder nicht. Sie sehen diese Tatsache als gegeben an.
Die „Ungeschicklichkeits-Falle“: Ein weiterer Grund ist, dass Männer sich bei vielen Tätigkeiten ungeschickter anstellen als ihre Partnerin. Da er „es nicht so gut kann“, muss er es auch nicht machen. Die Ungerechtigkeit dabei: Die Frau – ob zum Bügeln talentiert oder nicht – darf sich trotzdem ans Bügelbrett stellen und es Woche für Woche praktizieren. Hier wird mangelnde Übung mit mangelnder Fähigkeit verwechselt.
Vergleich nach unten: Frauen vergleichen sich oft mit anderen Frauen, die noch sehr viel mehr Arbeit im Haushalt haben als sie selbst, und schaffen sich damit eine gewisse innere Zufriedenheit mit ihrem eigenen Schicksal. Dieser Abwärtsvergleich verhindert allerdings echte Veränderung.
Fürsorge als Liebesbeweis: Viele Frauen sehen ihre Mehrarbeit im Haushalt als Zeichen für Fürsorge und Liebe an. Doch Liebe sollte sich nicht darin ausdrücken, dass eine Person sich aufopfert, während die andere sich bedienen lässt.
Welche Auswirkungen hat die Hausarbeit auf die Liebe?
Die Überbelastung durch Vollzeitjob, Haushalt und womöglich auch noch Kinder schlägt sich nicht nur auf die Leistung im Job und somit die Karriere nieder, sondern massiv auf die Beziehung.
Der schleichende Beziehungskiller
Durch die Ungleichverteilung der Aufgaben entsteht eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Partner und somit in der Beziehung. Vom Partner unachtsam liegen gelassene Socken, seine unmotiviert herumstehenden gebrauchten Kaffeetassen und Barthaare im Waschbecken als Überbleibsel von der letzten Rasur erzeugen Ärger in der ständig hinterher putzenden, langsam überforderten Frau.
Was als kleiner Ärger beginnt, entwickelt sich oft zu tiefem Groll. Die Frau fühlt sich nicht gesehen, nicht wertgeschätzt und allein gelassen mit der Verantwortung für den gemeinsamen Lebensraum. Studien zeigen: Paare, die Hausarbeit ungleich verteilen, streiten häufiger und berichten von geringerer Beziehungszufriedenheit.
Lässt der Mann noch dazu nicht mit sich reden, wird ihr dann irgendwann einmal der Kragen platzen. Sie verbessert sich, indem sie sich ihres angetrauten Dreckspatzes entledigt, und er darf ab nun in seiner eigenen Wohnung sehen, wie er mit Bügeleisen, Besen, Staubsauger und Kochlöffel (oder besser Mikrowelle?) zurecht kommt. Es sei denn, er zieht heim zu seiner Mutter… Aber das muss natürlich nicht passieren!
Hausarbeit teilen in der Partnerschaft – so geht’s
Überbelastung im Haushalt kann Untersuchungen zufolge psychische Erschöpfung und sogar Depressivität auslösen. Es ist also höchste Zeit zu handeln!
1. Wertschätzung zeigen
Um die Partnerschaft zu retten, ist nicht allein eine gerechte Arbeitsaufteilung notwendig: Vielen Frauen reicht es angeblich schon, wenn der Mann ihre Arbeit im Haushalt wertschätzt und es sie auch spüren lässt. Ein ehrliches „Danke, dass du das gemacht hast“ oder „Ich sehe, wie viel du tust“ kann Wunder wirken.
2. Realistische Aufgabenverteilung
Dass ein Mann nicht gerade fürs Bügeleisen geschaffen ist – zumindest wohl 99% davon – ist als gegeben anzunehmen. Das heißt aber nicht, dass er sich nicht regelmäßig – und ohne daran erinnert werden zu müssen – um den Müll kümmert, kleine Reparaturen im Haus ohne Murren erledigt und beim Staubsaugen und Geschirrspüler ein- und ausräumen zur Hand geht.
Tipp: Jeder übernimmt die Aufgaben, die ihm eher liegen. Wichtig ist nur, dass am Ende beide etwa gleich viel Zeit investieren.
3. Feste Zuständigkeiten definieren
Ein Wochenplan, in dem festgehalten wird, wer von beiden wann etwas macht, ist laut Psychologen sehr hilfreich. Fixe Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten würden das gemeinsame Leben im Haushalt um einiges erleichtern und können höchstwahrscheinlich die Liebe retten!
Beispiel für eine faire Aufteilung:
- Er: Müll, Einkaufen, Geschirrspüler ausräumen, Boden wischen (Samstags)
- Sie: Kochen, Wäsche waschen, Badezimmer putzen
- Gemeinsam: Aufräumen nach dem Essen, Wochenendreinigung
4. Mental Load nicht vergessen
Neben der eigentlichen Hausarbeit gibt es noch die unsichtbare Arbeit: daran denken, dass Toilettenpapier nachgekauft werden muss, Termine beim Zahnarzt vereinbaren, Geschenke für Geburtstage besorgen. Diese Denkarbeit, auch „Mental Load“ genannt, liegt oft komplett bei den Frauen und ist genauso erschöpfend wie die physische Arbeit.
Lösung:
Auch diese Verantwortung muss geteilt werden. Der Partner sollte eigenständig mitdenken und nicht erst auf Ansage handeln.
5. Das Schlüsselwort: Kommunikation!
Reden Sie offen über Ihre Erwartungen und Gefühle. Formulieren Sie klar, was Sie stört, ohne Vorwürfe zu machen. Hören Sie zu, wenn der Partner seine Sicht erklärt. Nur durch ehrliche Gespräche können Sie gemeinsam Lösungen finden, mit denen beide leben können.
6. Perfektion loslassen
Wenn der Partner Aufgaben übernimmt, müssen diese nicht nach Ihren Standards erledigt werden. Ein nicht perfekt zusammengelegtes Handtuch erfüllt seinen Zweck genauso wie ein akkurat gefaltetes. Lassen Sie los – sonst demotivieren Sie den Partner und bleiben am Ende doch wieder allein auf der Arbeit sitzen.
Fazit
Die Aufteilung der Hausarbeit ist ein ernstzunehmender Konfliktpunkt, der nicht in seltenen Fällen zum Beziehungs-Aus führt! Dass die gerechte Arbeitsaufteilung in häuslichen Gefilden in der heutigen modernen Zeit immer noch derartig nachhinkt, ist schwer zu verstehen und irgendwie dennoch nachvollziehbar.
Dennoch: Mit ein wenig Geschick, gutem Willen auf beiden Seiten und klarer Kommunikation lässt sich auch das Haushaltsproblem in Beziehungen lösen. Der Schlüssel liegt darin, Hausarbeit nicht als Frauensache zu betrachten, sondern als gemeinsame Verantwortung zweier erwachsener Menschen, die zusammenleben.
Man(n) muss nur wollen! Denn wie der Regisseur Jacques Tati (1908-1982) schon sagte: „Wer sich zu wichtig für kleine Arbeiten hält, ist oft zu klein für wichtige Arbeiten.“
Mehr Tipps für Verliebte:
- Die erste Liebe
- Tipps für eine gute Fernbeziehung
- Probleme beim Zusammenwohnen
- Glückliche Partnerschaft
- Wie die Hausarbeit in der Partnerschaft aufteilen?
- Wie einen originellen Heiratsantrag machen?
- Richtig mit dem Partner reden
- Der erste Urlaub als Paar
- Bin ich verliebt?
- Verlobt man sich heute noch?
- Romantischer Abend zu zweit
- Egoistischer Partner – Was tun?
*Quelle/Literatur:
– „Das Online-Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik: Hausarbeit als Problem in Partnerschaften“ (Elke Rohmann und Hans-Werner Bierhoff)
– „Aufteilung der Hausarbeit, verletzte Erwartungen und Beziehungsqualität“ (Elke Rohmann, Martina Schmohr und Hans-Werner Bierhoff) – Zeitschrift für Familienforschung, 14. Jhg.
Text: M.R.

