Es könnte alles so schön sein! Er und sie, das Kribbeln im Bauch, ein romantisches Hotel, Ruhe, Zeit, bezaubernde Landschaften, großartiges Essen, Sternenhimmel - und dann wird es so grässlich: Streit am Frühstückstisch, Autofahrten in frostigem Schweigen, verfrühte Abreisen. Wie kommt das bloß? Dabei hatten sich die zwei doch so auf ihren ersten gemeinsamen Urlaub gefreut!
Viele frisch verliebte Paare teilen zu Beginn ihrer Beziehung weder die Wohnung noch den größten Teil des Tages miteinander. Im ersten gemeinsamen Urlaub ändert sich das zwangsläufig - und aus manch einem vermeintlichen Traumpaar wird binnen weniger Tage ein Duo infernale. Die meisten Pärchen unterschätzen das Streitpotenzial trauter Zweisamkeit maßlos. Nicht selten ist der erste Urlaub auch der letzte. Man lernt sich im gemeinsamen Zimmer am fremden Ort eben ganz anders kennen als beim kurzen Spaziergang im heimischen Park. Erschwerend kommt hinzu, dass man aus der selbst herbeigeführten Zwangssituation „Urlaub“ nicht so ohne Weiteres herauskommt - besonders bei gemeinsamer Anreise.
Urlaub für Verliebte? Gar nicht so einfach
Vorfreude ist die schönste Freude, und in ihrem Rahmen entwickelt jeder Partner bestimmte Wunschvorstellungen und mehr oder weniger präzise Erwartungen an den Liebsten. Das Näherkennenlernen gehört unbedingt dazu, eine etwaige Entzauberung jedoch keinesfalls. Ganz normale Differenzen wie ein grundverschiedener Tag-Nacht-Rhythmus, unterschiedliche Ansprüche an die Unterkunft oder Essgewohnheiten haben in diesen Visionen keinen Platz. Verliebtsein macht hier tatsächlich sprichwörtlich blind: Befragt man Paare vor ihrem Urlaub über etwaige Streitpunkte, halten die meisten ernsthafte Auseinandersetzungen für vollkommen abwegig.
„Du bist irgendwie ganz anders …“
Urlaub bedeutet Erholung und Entspannung - da kann es schnell passieren, dass sich einer von beiden ein klein wenig gehen lässt. Solange sich alles im akzeptablen Rahmen bewegt, ist dagegen nichts einzuwenden. Schlimm wird es erst, wenn Alltagsgewohnheiten zutage treten, die dem Gegenüber bisher unbekannt waren und nur fassungsloses Unverständnis auslösen. Wer im Urlaub feststellt, dass er überhaupt nicht zum anderen passt, kann im Anschluss die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Ansonsten ist jede Partei gezwungen, gründlich abzuwägen, ob sie mit den neu gewonnenen Erkenntnissen dauerhaft zurechtkommt. Hier sind Kompromisse gefragt.
Nicht jeder Konflikt muss als Todesstoß für die Liebe gewertet werden. Kleine Streitereien über den geplanten Tagesablauf oder schlechten Service im Hotel kann man auch als Herausforderung begreifen, einfach das Beste daraus zu machen. Ernsthafte, wiederholt auftretende Differenzen werden dagegen vielleicht auch in der Beziehung zum Dauerthema. Sich auf intensive Art kennenzulernen und manchmal auch ertragen zu müssen, kann eine junge Partnerschaft aber durchaus vertiefen und festigen.
Präventivmaßnahmen: So wird es ein schöner Urlaub
Abstimmung ist unerlässlich. Schon vor dem Urlaub solltet ihr euch über die grobe Planung, Wünsche, Interessen, Eigen- und Gewohnheiten, finanzielle Lösungen und Notfallpläne verständigen. So verhindert man unliebsame Überraschungen und kann sich besser auf die gemeinsame Zeit einstellen. Es schadet auch nicht, offen eine Strategie für Streitigkeiten zu überlegen: „Was machen wir denn, wenn wir uns einmal in die Haare kriegen?“ ist eine völlig legitime Frage.
Generell fährt man mit einer zurückgenommenen Erwartungshaltung besser als mit hochgeschraubten Ansprüchen. Man sollte nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen, dafür aber unbedingt „Alleinspielzeiten“ einplanen. Ihr müsst nicht alles gemeinsam unternehmen - wer für ein paar Stunden getrennte Wege geht, kann sich voneinander erholen und sich anschließend wieder aufeinander freuen.
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C. E.
C. E. ist freie Autorin und schreibt über Beziehungsthemen, die sie mit wissenschaftlich fundierten Quellen unterfüttert.
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